Diese Tipps basieren auf den Erfahrungen mit der Hamburg Convention, und stellen natuerlich auch unsere Wuensche und Ansprueche an eine Convention dar. Die Tipps richten sich an Conventions der Groessenordnung 150-250 Teilnehmer. Alles ist wie immer ohne Gewaehr, und manchmal wohl etwas komplizierter als noetig. --- WER BIN ICH? Bzw.: Wer seid ihr? Am Anfang einer Conmvention steht in der Regel das Raueme-besorgen. Dafuer - fuer die Mietehoehe, und fuer Versicherung, Steuern, Metroeinkauf, ... - ist es oft sinnvoll, ein gemeinnuetziger Verein zu sein, oder sich zumindest einem Verein anzuschliessen. Das einfachste ist natuerlich, einen existierenden befreundeten Verein oder aehnliches zu nutzen, z.B. einen Sportverein oder die Uni. Dann hat man schnell Hallen, manchmal pauschal bezahlte Gema, Werbung, und andere Vorteile. Dafuer hat man manchmal ein paar mehr Leute, die mitplanen wollen. Um einen Verein neu zu gruenden - der sicher aufwaendigste Weg - braucht man ein paar Leute und eine Satzung, die man einem Anwalt gibt. Genaueres steht im Buch "Vereine gruenden und erfolgreich leiten", das einer lesen sollte. Eine Mustersatzung - unsere - kann ich euch gerne zuschicken. Kurze Uebersicht: * Eingetragener Verein: Ebendies, ein Verein, der im Register eingetragen wurde. * Gemeinnuetziger Verein: Ein Verein, der Sport oder Kultur foerdert, und deshalb bevorzugt behandelt wird. Ob ein Verein gemeinnuetzig ist, geht aus der Satzung hervor. Ausserdem muss die Steuerklaerung entsprechend ausfallen, d.h. gemeinnuetzige Gelder duerfen nicht fuer Verluste beim Getraenkeverkauf aufgewendet werden, und aehnliches. * Sportverein: Ein Verein, der Mitglied im Regionalen Sportbund ist. Sportverein zu sein bringt je nach Sportbund eine Menge Buerokratie, manchmal aber auch Vorteile: Vielleicht kommt man besser an Hallen, oder muss bei der Public Show keine Gema bezahlen, da der Sportbund einen Pauschalvetrag mit der Gema hat. Wir sind ein gemeinnuetziger Verein, aber kein Sportverein, da uns das keine Vorteile gebracht haette. WO BIN ICH? Am Anfang einer Convention steht in der Regel die Vision, dh. der Ort. Bei der Ortswahl gibt es einiges zu bedenken: * Die Miete sind FIXKOSTEN, die sich nicht mehr senken lassen. Egal, wieviele Leute kommen. Auch wenn keiner kommt. Seht also zu, dass ihr nicht zu teure Raeume mietet, und verzichtet ggf. lieber auf eine zweite Halle. Sonst fehlt euch nachher das Geld fuer andere Sachen. Ueberlegt jetzt schon, wieviele Leute wohl kommen. * Macht bald einen Vertrag fuer alle Raeume, damit ihr spaeter nicht mit muendlichen Vereinbarungen dasteht. Die sind naemlich nicht viel Wert, wie boese Erfahrungen anderer Orgas zeigen. * Denkt dran, dass ihr - meistens - auf dem Gelaende auch die Publicshow machen muesst. Ein schoener, grosser Raum mit Licht waere der Traum.... Ein Bustransfer zu einem anderen Veranstaltungsort hingegen ist kaum bezahlbar (1000 DM aufwaerts). Die Preise sind sehr unterschiedlich: Manche Hallen sind umsonst, andere Kosten tausende Mark. Auch fuer Park braucht man oft eine Genehmigung vom Gartenbauamt, spaetestens wenn man da ein Zelt hinstellt. Camping ist uebrigens nicht immer beliebt... WANN BIN ICH? Es gibt Monate mit viele Conventions, und welche mit wenigen. Wann wollt ihr? Ein Conventionloch bedeutet in der Regel auch mehr Teilnehmer. Seid ihr auf Sommer und gutes Wetter angewiesen? Ihr koennt Falk (jellyfish@businessnet.de) fragen, ob andere zu eurem Zeitpunkt schon eine Convention planen. Hallen und Raeume werden oft mit mindestens einem halben Jahr Vorlauf verplant, dann bleiben nur noch wenige Termine. WER WEISS DAVON? Bringt Flyer (kopierte Din A4 Zettel) mit zu Conventions. Meldet euren Termin der Kaskade und im Internet (www.juggling.org, www.gauklerg.de, www.jonglieren.de). Erzaehlt es allen. Je frueher, desto besser. WER TRITT AUF? Anmerkung: Dieser Abschnitt ueber die Publicshow ist sicher stark von meinen eigenen Vorlieben gepraegt. Meistens - Ausnahmen bestatigen die Regel - treten die Kuenstler umsonst auf, bekommen aber kostenlosen Conventioneintritt und je nach Convention Essen, Fahrtkosten und ein Video. Eine gute Publicshow basiert fuer mich auf drei Dingen: * Guten und abwechslungsreichen Nummern. Fragt Kuenstler die ihr kennt und gut findet (leider hat nicht jeder, der huebsch jongliert, auch eine Nummer...). Fragt Kuenstler nach der Public Show auf anderen Conventions, ob sie auch bei euch auftreten wuerden. Fragt auch Nicht-Jongleure. Besonders die. Waehrend der Convention kommen kaum noch Nummern dazu. Holt euch vorher schon FESTE Zusagen. * Gute Conferenciers... ... wachsen nicht auf Baeumen, sondern sind ganz selten. Und muss man oft bezahlen. Trotzdem: Ein schlechter Conferencier kann den ganzen Abend vermiesen, ein guter ihn retten. Conferenciers sind oft das schwierigste an einer Public Show. Auch hier gilt: Wen habt ihr gesehen, den ihr gut fandet? * Ein huebscher Raum... ... ist viel wichtiger, als man so denkt. In einer Turnhalle mit schlechtem Licht oder einem Einhockeystadion mit schlechtem Ton kann die ganze Atmosphaere schnell dahin sein. Auch haessliche Raeume kann man huebsch machen (Waende verhaengen, Lichterketten, ...), das kostet aber Zeit und Geld. Wenn ihr richtig Werbung macht, koennt ihr durch die Galashow auch Geld einnehmen. GEMA Warum ueberhaupt GEMA? Manchmal meldet der Verleiher der Turnhallen (Stadt etc.) die Jonglierconvention/Show direkt bei der GEMA, und teilt einem das meistens auch mit. Spaetestens dann muss man sich wohl oder uebel mit diesem Thema beschaeftigen. Auch, wenn Zeitungsartikel erscheinen oder die Convention/Show ueberall angekuendigt ist, kann die GEMA sich melden. Prinzipiell macht die GEMA keinen Unterschied zwischen Disco, Hintergrundmusik und einzelnen Liedern: Sobald irgendeine GEMA-pflichtige CD laeuft (was ca. alle sind), muss man dasselbe bezahlen (Unterhaltungsmusik mit Tontraegern, M-U). Einziger Sonderfall ist eine Musikumrahmung bei Sportveranstaltungen, das ist aber nicht etwa Hintergrundmusik, sondern kurze Musikeinspielung VOR und NACH einem Wettkampf. Die ist billiger, sowas wird man bei einer Convention aber kaum machen. Prinzipiell zaehlt fuer den Preis immer nur die GROESSE des Raumes und der EINTRITTSPREIS, die Anzahl der Besucher ist also normalerweise unwichtig! Diese Tabellen kann man von der GEMA zugeschickt bekommen. Aus Kulanz wurde bei uns statt der Turnhallengroesse (da waeren die Preise astronomisch, ca. 1000 Besucher!) mit der Anzahl der Jongleure/Showbesucher gerechnet. Was ist GEMA-pflichtig? Die Musik in der Halle und die Musik bei der Show. Diese wurden bei uns getrennt abgerechnet, wobei bei der Halle nur die Eintrittsgelder der Jongleure beruecksichtigt wurden, und bei der Show nur die Eintrittsgelder der externen Zuschauer (die Nicht-Jongleure). Musik in der Halle: Hier wird der Conventionpreis durch die Tage geteilt, das ist der Eintrittspreis pro Tag. Ein paar Faktoren, die die Kosten druecken: * Wenn der Sonntag ein Abreisetag ist, an dem keine Musik gespielt wurde * Essen, das im Preis inklusive ist, kann abgezogen werden. (Das gilt nur fuer Essen und Getraenke. Kosten fuer Workshopleiter, Kuenstler, Technik, Hallenmiete etc. koennen nicht abgezogen werden!) So kamen wir durch das Fruehstueck auf 2,4 EUR statt 5 EUR pro Tag. Fuer drei Tage (Do-Sa) betrug die GEMA fuer die Hallenmusik damit 243,06 EUR. (also 81 EUR pro Tag, was nicht ganz stimmt, da nicht an jedem Tag gleichviele Besucher da waren). Musik bei der Show: Wenn die Convention angemeldet ist, wird auch eine Nachfrage nach der Show kommen, zu der ja in der Regel in der Zeitung eingeladen wird. Hier wurden bei uns nur die Preise der Public-Zuschauer beruecksichtigt. Das waren 6,6 EUR pro Nase und 62 Zuschauer, und mit Kulanz 98,87 EUR GEMA. Dabei wollte die GEMA eine genaue Aufstellung aller Musikstuecke (aber NICHT aller Kuenstler, man kann natuerlich beliebig viele Comedy-Nummern ohne Musik haben). Es reicht, wenn ein angegebener Kuenstler fuer seine benutzte Auftrittsmusik schon mal woanders GEMA bezahlt hat, das finden die raus. Soviel erstmal dazu. Die GEMA war bei uns sehr nett und kulant, aber auch sehr korrekt, penibel und unerbittlich. WAS ESSE UND TRINKE ICH? Oft hat eine Kantine oder eine Kneipe eine Konzession fuer das Gelaende: Entweder die, oder niemand darf etwas verkaufen. Manchmal finden sich aber Gebaeude, die davon ausgenommen sind. (Mit der Kantine kann man natuerlich reden) Im allgemeinen ist Essen * sehr arbeitsaufwaendig, wenn man es selber macht * teuer, wenn man es nicht selber macht * schlecht zu planen, wenn man nicht weiss, wieviele kommen * super fuer die Teilnehmer, wenn es lecker, auch vegetarisch und guenstig/umsonst ist Mit Getraenken kann man als Convention Geld einnehmen, allerdings keine astronomischen Summen. Man braucht in der Regel eine Schankgenehmigung (Ordnungsamt), und bei Essen Gesundheitszeugnisse. Ein paar Mengenangaben und Zahlen zu Essen und Trinken hat Robert Mager. HAENDLER ... kommen vorbei, oder auch nicht, wenn man sie vorher fragt. Ueblicherweise wird von ihnen eine Standgebuehr von 100,- DM eingenommen. VERSICHERUNG Eine Veranstalterhaftpflicht ist sinnvoll. Die einzelnen versicherten Dinge muss man mit der Versicherung durchkauen, im Endeffekt laeuft es aber auf ca. 300-350 DM raus. Feuer/Brand laesst sich uebrigens nicht versichern, Veranstaltungen ausserhalb des Gelaendes verdoppeln die Kosten, und eine Geraeteversicherung lohnt sich i.A. nicht, da es eine Selbstbeteiligung von 1000,- gibt. Nett sind unabhaengige Berater (wie die Fairsicherung). GELD... ... strecken oft die Orgas vor, und bekommen es meistens wieder. Banken und Behoerden sollte man naetuerlich fragen, auch ob sie ggf. Verluste decken. Sponsoren und Spender sind natuerlich auch Klasse, bis auf Jonglierlaeden ist das aber schwierig. Man kann auch eine Kalkulation machen, gucken, wieviel fehlt, und das dann beim Kulturamt zur Foerderung einreichen. Viel Glueck! TEILNEHMERZAHLEN... ...weiss man nie vorher. Kalkuliert eher mit weniger Leuten, und lasst dafuer etwas weg - so weh das tut. Ihr muesst nicht alle Teilnehmerzahlen von 100 bis 500 Teilnehmern abdecken koennen. T-SHIRTS... ... koennen viele Miese machen, aber auch Geld reinbringen. Wenn sie huebsch sind. Ohne Jahreszahl kann man sie im naechsten Jahr wieder verkaufen. EIN ARZT... ... oder Sanitaeter ist Klasse, besonders wenn er Verbandsmaterial, Kuehlung und Erfahrung hat. Und immer schnell erreichbar ist, also z.B. jeder Orga seine Handynummer und selber ein Handy hat. WAEHREND DER CONVENTION... ... hat man viel zu tun. Hilfreich ist es, wenn * klare Zustaendigkeiten vorher verteilt wurden * alle Schluessel zentral gesammelt werden, und immer klar ist, wo sie sind * sich die Orgas ueber Walkie Talkie (teuer!) oder Handie verstaendigen koennen * viele Helfer da sind, und sich auch jemand um die Helfer kuemmert * niemand bis zur Erschoepfung arbeitet * es Extra-Schlafraeume und Essen fuer die Orgas gibt WAS MACHE ICH NOCH? Fast alle Convention haben eine Halle, eine Galashow, und Spiele. Der Rest ist euch ueberlassen: * Eine Parade * Eine Openstage * Eine Party mit Musik * Ein nettes Café mit Lavalampen * Brettspielsessions * Eine Jongliersachen-Auktion * Ein Schwimmbad * Eine Fackelshow * Eine Theatergruppe * Eine Musikgruppe * Eine Zeitung * Ein Einradausflug * Ein Singlestreff * Eine Diashow * Ein Museum * Ein Weltrekordsversuch * Eine Weltduschentag * Was ihr wollt * ... MEHR INFOS: Unter http://www.koelnvention.de/selberMachen Bei anderen Orgas, ... Die EJA im allgemeinen nur fuer Europaeische Coonventions zustaendig. Es ist eure Convention, macht etwas draus! Viel Erfolg fABIAN